Wissenschaft

Das Wort heißt „Monat“. Die Wissenschaft kann noch nicht sagen, wie ein normaler aussieht.

Hier steht, worauf unsere Arbeit beruht: was über die Menstruation bekannt ist, was fehlt, was andere schon gemacht haben und was wir noch herausfinden müssen. Jede Zahl hat eine Quelle und ein Label, das sagt, wie sicher wir sind.

GeprüftWir haben die Originalquelle gelesen.
Mit QuelleAus einer genannten Quelle, die wir nicht vollständig geprüft haben.
SchätzungUnsere eigene Berechnung oder Einschätzung.
PlanWas wir vorhaben. Braucht Ethikvotum und Finanzierung.
Noch offenDie Forschung muss es erst zeigen.
1 · Warum es uns gibt

Die Medizin weiß über Frauen weniger. Über die Menstruation am wenigsten.

1977–1993
US-Richtlinien schlossen Frauen, die schwanger werden konnten, von frühen Tests neuer Medikamente aus.
2×
Frauen bekommen fast doppelt so oft Nebenwirkungen von Medikamenten wie Männer.
½
2013 halbierte die US-Behörde die empfohlene Dosis eines gängigen Schlafmittels (Zolpidem) für Frauen, weil ihr Körper es langsamer abbaut.
38 %
Frauen stellten 2010 bis 2017 nur 38 % der Teilnehmenden in Medikamentenstudien zu Herz und Gefäßen.
<1 %
Endometriose, PMS, Wechseljahre und drei weitere Frauenleiden verursachen 14 % der Gesundheitslücke von Frauen, bekamen aber weniger als 1 % des Forschungsgeldes für die 64 untersuchten Erkrankungen (2019–2023).
25 %
Frauen verbringen 25 % mehr ihres Lebens in schlechter Gesundheit als Männer. Das ist eine Modellrechnung.
7–9 Jahre
In Österreich wird Endometriose im Schnitt sieben bis neun Jahre nach den ersten Beschwerden erkannt.
1,5 %
Nur etwa 1,5 % der Säugetierarten menstruieren. Labormäuse und -ratten nicht. Darum kann die meiste Laborforschung nicht zeigen, wie die Periode funktioniert.
Das World Economic Forum führt die Finanzierungslücke darauf zurück, dass es kein „klares Verständnis davon gibt, was eine ‚normale‘ Periode ist“.
Der österreichische Frauengesundheitsbericht hält fest, dass Daten zur Menstruationsgesundheit „zum Teil gänzlich“ fehlen.
2 · Was fehlt

Menstruationsflüssigkeit ist eine Probe, die fast niemand sammelt.

Jeden Monat verlässt sie den Körper und wird weggeworfen. Die wenige Forschung, die es gibt, zeigt: Sie enthält Informationen, die ein normaler Bluttest nicht liefert.

Mehr als Blut
Menstruationsflüssigkeit ist eine Mischung aus Blut und abgestoßener Gebärmutterschleimhaut. Im Schnitt ist etwa ein Drittel Blut, und der Anteil schwankt stark von Frau zu Frau.
Lebende Zellen
Sie enthält lebende Zellen aus der Gebärmutterschleimhaut und aus dem Immunsystem. Ein Bluttest liefert diese nicht.
Eigene Signale
Ihre Eiweiße und Immunsignale unterscheiden sich von denen im normalen Blut. Das zeigten drei unabhängige Studien, alle klein.
Etwa 400 Mal erneuert
Die Gebärmutterschleimhaut baut sich etwa 400 Mal im Leben ab und narbenlos wieder auf. Kein anderes erwachsenes Gewebe tut das regelmäßig.

Was der Forschung fehlt

  • Nur eine veröffentlichte Studie hat Menstruationsflüssigkeit über mehrere Zyklen begleitet: 11 gesunde Frauen, je bis zu 5 Zyklen.

  • Soweit wir wissen, hat niemand Proben über mehrere Zyklen von Frauen mit einer Erkrankung veröffentlicht, oder Proben aus der Zeit vor einer Diagnose.

    GeprüftEvidenzübersicht der Period Foundation, 2026
  • Es gibt keine Referenzwerte für Menstruationsflüssigkeit: kein gemeinsames Bild davon, was normal ist und wie stark es von Zyklus zu Zyklus schwankt.

    Mit QuelleEvidenzübersicht der Period Foundation, 2026
3 · Was es schon gibt

Andere haben angefangen. Wir bauen auf ihrer Arbeit auf.

Die Forschung zu Menstruationsflüssigkeit wächst schnell, meist in kleinen Studien. Diese sind für uns am wichtigsten.

Antwerpen, Belgien
Isala LUNA
Etwa 100 gesunde Frauen gaben Proben über 5 Zyklen hintereinander, mit einem anderen Periodenprodukt in jedem Zyklus.
Großbritannien, 2026
CycleTrack
Getrocknete Proben auf Binden-Streifen, 3 Perioden pro Frau, verknüpft mit langjährigen britischen Familienstudien.
New York, USA
ROSE
Sammelt seit 2013 flüssige Menstruationsproben mit lebenden Zellen, mit mehr als 3.700 angemeldeten Frauen.
Weltweit
Endometriose-Forschung
Etwa 35 Studien haben in Menstruationsflüssigkeit nach Zeichen von Endometriose gesucht. Keine davon wurde bisher in einer prospektiven Studie bestätigt.
Ergebnisse 2027–2029
Drei Bestätigungsstudien
ROSE II, MultiMENDo und Diamens prüfen Endometriose-Signale mit je 200 bis 250 Frauen. Eine davon hat einen Standort in Wien.
USA, 2023
Ein erster zugelassener Test
Ein Test mit Menstruationsblut ist behördlich freigegeben: HbA1c, ein Diabetes-Wert, gemessen auf einem Binden-Streifen.

Was noch fehlt: ein Jahr lang Proben von denselben Frauen, jeden Zyklus, von Frauen mit und ohne Beschwerden. Soweit wir wissen, sammelt das niemand.

4 · Die erste Studie

Zuerst ein Ausgangswert.

Bevor man erkennen kann, was ungewöhnlich ist, muss man wissen, was gewöhnlich ist und wie stark es von einem Zyklus zum nächsten schwankt.

2027 Plan
Vorstudie

Etwa 30 Frauen geben Proben über drei Zyklen. Wir testen das Set, die Abgabe und die Verarbeitung im Labor und entscheiden dann, ob es weitergeht.

2027–2028 Plan
Ausgangsstudie

200 Frauen in Wien geben ein Jahr lang eine Probe von jeder Periode. In jedem Zyklus vergleichen wir flüssige Proben (Menstruationstasse) mit getrockneten Proben (Binden-Streifen).

~1.800
Proben von 200 Frauen über 12 Zyklen
Schätzung
70–80 %
der monatlichen Proben erwarten wir zurück, nach ähnlichen Studien
Schätzung
12
Zyklen pro Frau: genug, um zu sehen, wie jede Frau schwankt
Plan

Was sie zeigen kann

  • Wie stark Menstruationsflüssigkeit von Zyklus zu Zyklus schwankt, bei einer Frau und zwischen Frauen.
  • Wie flüssige und getrocknete Proben sich vergleichen, damit spätere Studien die einfachere wählen können.
  • Ob frühere Ergebnisse zu Endometriose bei neuen Frauen halten.
  • Ob Werte in der Probe mit dem gemessenen Blutverlust zusammenhängen.

Was sie nicht zeigen kann

  • Sie ist kein Diagnosetest, und keine Frau bekommt persönliche Ergebnisse.
  • 200 Frauen reichen nicht für formale Referenzwerte. Dafür braucht es eine größere Gruppe.

Noch offen

  • Die Zustimmung einer unabhängigen Ethikkommission. In Österreich brauchen beide Studien eine.
  • Ein Partnerlabor und eine wissenschaftliche Leitung. Noch ist niemand bestätigt.
  • Die Finanzierung. Wir bewerben uns; noch ist nichts bewilligt.
  • Partner-Apotheken und Kliniken in Wien.
  • Das endgültige Studiendesign. Unser aktueller Vorschlag umfasst Frauen mit Endometriose, mit starker Blutung, mit Beschwerden ohne Diagnose und ohne Beschwerden.
5 · Warum eine Biobank

Warum eine Biobank und nicht nur eine Studie.

Eine Probe ist eine Momentaufnahme.

Viele Werte schwanken von Zyklus zu Zyklus. Erst der Durchschnitt über mehrere Zyklen macht sie verlässlich. Für einen stark schwankenden Wert ergibt unsere Berechnung:

1 Probe
0.25
3 Proben
0.50
12 Proben
0.80
SchätzungBerechnung der Period Foundation (Spearman-Brown), mit angenommenen Werten
Die Vergangenheit lässt sich nicht nachträglich sammeln.
Um zu verstehen, was sich vor einer Diagnose verändert, braucht man Proben von davor. Die gibt es nur, wenn jemand Jahre vorher begonnen hat, sie aufzubewahren.
Fragen, die noch niemand gestellt hat.
Aufbewahrte Proben, gegeben mit Zustimmung, können Fragen beantworten, an die heute noch niemand denkt.
Unser Blut. Unsere Daten.
Die Proben liegen bei einem nicht gewinnorientierten Verein, nicht bei einer Firma. Namen werden getrennt von den Proben aufbewahrt. Forschung und Unternehmen können Zugang beantragen, zu Bedingungen, die gemeinsam mit den Frauen festgelegt werden. Jede Frau kann jederzeit aussteigen.
GeprüftSoweit wir wissen, sammelt niemand ein Jahr lang jeden Monat Menstruationsproben oder vergleicht in jedem Zyklus flüssige und getrocknete Proben.
6 · Unsere Vision

Was eine Biobank möglich machen könnte.

Je mehr Frauen und je mehr Jahre, desto mehr Fragen kann die Forschung beantworten. Das sind unsere Schätzungen, was jede Stufe zeigen könnte. Nichts davon ist versprochen: Jede Stufe hängt von der vorigen ab.

Jeder Punkt steht für 100 Frauen. Schätzung

  1. Herbst 2026
    Aufbau
    Vorstudie 2027: etwa 30 Frauen, 3 Zyklen

    Ob Set, Abgabe, Kühlung und lebende Zellen funktionieren. Noch keine Biologie.

  2. 2027–2028
    200 Frauen × 1 Jahr
    Etwa 1.800 Proben

    Wie Menstruationsflüssigkeit von Zyklus zu Zyklus schwankt. Wie flüssige und getrocknete Proben sich vergleichen. Ob frühere Endometriose-Ergebnisse halten.

  3. 2029–2031
    2.000 Frauen × etwa 3 Jahre
    Etwa 6.000 Frauenjahre

    Referenzwerte nach Alter und Verhütung. Eine gemeinsame Grundlage für Teams, die Tests entwickeln. Die ersten wenigen Frauen mit Proben aus der Zeit vor einer Diagnose.

  4. Ab 2031
    5.000+ Frauen × 5 bis 10 Jahre
    25.000 bis 50.000 Frauenjahre

    Dutzende Frauen mit Proben aus der Zeit vor einer Endometriose-Diagnose: genug für erste echte Tests früher Signale. Wie sich der Zyklus mit dem Alter, in den Wechseljahren und mit Behandlungen verändert.

Forschungsfelder und wie viele Frauen sie brauchen

Feld
Was es heute gibt
Was es bräuchte
Was normal ist
Keine Referenzwerte für Menstruationsflüssigkeit.
Formale Referenzwerte brauchen meist etwa 120 Frauen pro Gruppe (zum Beispiel nach Alter oder Verhütung). Mit mehreren Gruppen sind das grob 1.000 bis 2.000 Frauen.
Schätzung
Endometriose: frühere Ergebnisse bestätigen
Nur kleine Studien.
200 Frauen (etwa 50 mit Endometriose, 60 ohne) können einen mittleren bis großen Unterschied erkennen.
Schätzung
Endometriose: frühe Zeichen
Proben aus der Zeit vor einer Diagnose gibt es nirgends.
In einer großen US-Studie wurde pro Jahr bei etwa 2 von 1.000 Frauen neu Endometriose festgestellt. 5.000 Frauen über 10 Jahre ergäben etwa 100 Frauen mit früheren Proben.
Schätzung
Starke Menstruationsblutung
Vier kleine Studien zu Menstruationsflüssigkeit, höchstens 72 Frauen.
Starke Blutungen sind häufig, Fälle kommen also schnell zusammen. 200 Frauen können einen mäßigen Zusammenhang zwischen Werten und gemessenem Blutverlust erkennen.
Schätzung
Wechseljahre
Keine Studie zu Menstruationsflüssigkeit.
Frauen ab etwa 40, über Jahre begleitet: die Stufe mit 5.000+ Frauen.
Schätzung
Fruchtbarkeit, Adenomyose, Wirkung von Medikamenten
Sehr wenige oder keine Daten.
Spätere Studiengruppen. Wie viele Frauen es braucht, ist noch offen.
Noch offen

Seltene Erkrankungen wie Krebs würden Zehntausende Frauen brauchen. Das geht über unseren jetzigen Plan hinaus.

7 · Was wir noch nicht wissen

Was die Forschung erst noch zeigen muss.

Diese Fragen entscheiden, wie gut eine Menstruations-Biobank funktionieren kann. Wir berichten über die Antworten, auch über die, die gegen uns sprechen.

  • Noch offenWie lange lebende Zellen und RNA in einer flüssigen Probe auf dem Weg ins Labor brauchbar bleiben.
  • Noch offenOb eingefrorene Menstruationszellen nach dem Auftauen noch funktionieren.
  • Noch offenOb Werte bei Frauen mit einer Erkrankung von Zyklus zu Zyklus stabil sind.
  • Noch offenWie groß die Unterschiede bei Endometriose wirklich sind. Bisher hat sie eine Forschungsgruppe gemessen.
  • Noch offenOb Frauen mit Endometriose oder starker Blutung 12 Zyklen lang eine Tasse verwenden können.
  • Noch offenOb Proben aus Tasse und Binde unterschiedliche Hormonwerte ergeben.
  • Noch offenWie sich Eisenspeicher, gemessen in Menstruationsflüssigkeit, mit einem Bluttest vergleichen.

Wir veröffentlichen, was wir herausfinden, auch das, was nicht funktioniert.

Diese Seite wächst mit der Forschung. Du hast einen Fehler entdeckt oder kennst eine Studie, die fehlt? Schreib uns an hello@period.foundation.

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Zuletzt aktualisiert: 4. Oktober 2026